Sonntag, 4. März 2012

Liebe Esther, Danke... - (elmo)

Dear Esther ist eine ganz wunderbare Sache und inspierierte mich dazu:


Liebe Esther, Danke...

Vor kurzem hörte und las ich die wohl schönsten Worte meines Lebens.

The sea, they said, is too rough for the turbines to stand: They clearly never came here to experience the becalming for themselves.  Personally, I would have supported it; turbines would be a fitting contemporary refuge for a hermit: The revolution and the permanence.

Ich las sie wieder und wieder und fing an zu weinen. Dort wollte ich hin. Ein Rückzugsgebiet,  auf offener See. Ganz allein. Ohne euch. Da könnte ich dann ausharren und überdauern. Der Gedanke, sich in ein Kloster zurückzuziehen, hatte nie so richtig gepasst. Gottlos fühlte ich mich und keine kalten Steinmauern können ihn mir zurückgeben. Ich will dorthin, wo die Wellen Mantra-artig gegen Stahl, der in die tiefsten Tiefen reicht und von dort reglos aufsteigt, schlagen und endlos wie Gebetsmühlen Töne erzeugen, die für mich Gebet genug sind. Dort in rauer Unwirklichkeit würde ich  nicht mehr brauchen. Zeitlos würde ich dort stehen. Mein Herz schlägt jetzt nicht mehr, es dreht sich im Wind, es ist nass von der kalten See. Ich möchte dort draußen sein, wo nicht mal Möwen fliegen. Ich möchte dort ohne Handschuhe stehen, meine Hände der kalten und nassen Luft ausgesetzt, der schroffen Umgebung, lieblos. Aber es würde meinen Händen nichts ausmachen, stoisch würde ich ausharren, während mir Wind beißend ins Gesicht bläst. Zeitlos wäre ich unsterblich. Ich würde das Rauchen anfangen und Tabak und Glut würden sich nie von Nässe behindern lassen und Rauch würde aus meinem Mund kommen, wie normale Ausatemluft, und würde sich nicht mal richtig verteilen, sondern einfach davon gezogen werden und weggeschoben werden von den unbeschreibbaren Luftbewegungen. Ganz allein könnte ich da stehen und würde nur Salz in der Luft riechen. Die Sonne könnte unter- und aufgehen und ich würde es kaum merken, ich könnte mich an der Glut vor meinem Mund wärmen, könnte die Wärme durch eben diesen in mich hineinziehen und mich erfüllen lassen. Und vielleicht würde ich nach Jahrzehnten des Ausharrens und des Wartens das Husten anfangen und es würde geronnenes Blut hochkommen, das ich mir in die Hand spucken kann, das ich mir an meinem salzigen, gefütterten und knielangem Regen-Parker abwischen kann. Ich würde dort stehend sterben und es wäre gut so. Ihr könntet nicht werten, weil ihr es nicht sehen würdet, weil ihr es nicht verstehen würdet. Ich würde ziellos meine linke Hand an dem rostigen Stahl ruhen lassen, unter meinen groben Fingern taub fühlen können, wie alles Schicht um Schicht vergeht und doch beständig bei mir bleibt, und Rostsplitter könnten mir in die Handfläche schneiden, so dass warmes Blut tropft und sich rot mit rot-braun mischt und auf grau bleibt, so wie ich. Ja, es würde länger dort bleiben, als ich, bis es dann auch im Wind, im wehenden Sturm unter nassem Regen wie eine alte Haut abgestoßen wird und von jenen Lüften davon getragen wird, auf dass es sich in der Unendlichkeit der See verliert, und all die Wellen, die so beständig gegen die Grundfeste schlagen, stärker und wütender und schwächer, aber nie sanft, sondern kraftvoll hätten sie es dann doch endlich in sich aufgenommen. Dort könnte ich lachen und niemand würde es hören, weil die Windräder so laut quietschen und der Sturm doch alles übertönt, weil niemand sonst da ist, und ich könnte weinen und niemand würde es sehen, weil mein Gesicht immer nass wäre von den Regentropfen, den unmessbaren Strömen aus dunklen Wolken, die über mir hängen, dort verweilen und auf mich warten ohne Unheil zu verheißen, weil niemand sonst da ist. Ich müsste nicht trinken, denn alles ist feucht und überall ist Wasser.  Ich müsste nicht essen, da Wasserspritzer von dort unten mich mit all den Salzen versorgen, die ich benötige, und ich hätte nie Hunger, ich würde einfach weitermachen und eine neue Zigarette anzünden oder, wenn ich mich doch alt oder älter und auch unendlich alt fühle, zu einer Pfeife greifen, weil sie mir noch mehr Halt bietet. Dort könnte ich leben, dort könnte ich denken und, wenn alle Gedanken gedacht wären, dann müsste ich nicht mehr denken und es wäre richtig so und vielleicht würde dann sogar Gott kommen und ich wäre trotzdem allein und wir wären einverstanden damit, weil wir uns verstehen, ebenbürtig in die Augen sehen können, weil wir über den gleichen unermüdlichen Wellen stehen, die uns nie erreichen und es doch versuchen, und wir würden uns zunicken, weil wir gar nichts mehr versuchen müssen, wir haben alles erreicht und Frieden gefunden. Dann könnte ich auch auf meine Vergangenheit zurückblicken und mich endlich freuen und ohne davon zehren zu müssen wäre alles schon in Ordnung, was war ganz ohne Reue, weil es nötig war um hierher zu kommen, an diesen perfekten Ort, an dem ich einfach stehen kann. Die Erkenntnis, dass nichts wirklich je Revolution war, sondern genau hierhin führte, würde mich nähren und in Zufriedenheit könnte ich ausgeglichen Zug um Zug dort atmen, echte Luft und ihr könntet sie mir nicht stehlen und verpesten und miesmachen mit euren schlechten Ideen und euren noch schlechteren Umsetzungen, euren Einschränkungen und Verrenkungen, eurem falschen Lebensmut, weil ihr einfach nichts versteht. Ich wäre euch los. Ungehindert. Frei. Mein Bart würde wachsen, würde wuchern und ich wäre trotzdem nicht verwahrlost, weil es keine Wertung mehr gibt, und die Haare wären lang und dunkel und auch grau und würden im Wind schwer von Regen wie Schlangen in die Luft schlagen, aber nicht ängstlich oder aggressiv, sondern im ruhigen, ewigen Bewegungen und ganz natürlich, wie die Wellen, die da stahlgrau und dunkelblau zu meinen Füßen sind, die alles sind was ich in der Ferne sehe, nur unterbrochen durch weitere, aber unbewohnte, unbethronte Windräder, die unermüdlich unerschöpflichen Strom produzieren ohne, dass ihn hier jemand braucht. Wenn dort hier wäre, könnte ich in gelassener Klarheit existieren ohne Zugzwang, ich wäre glücklich und zufrieden, ein Zustand den ich sonst wohl nie erreichen werde.
3.3.12

Tagebuch eines Magiers – Grabesstille (Martin)

Ich würde hier ein Datum schreiben, doch ich habe auf meiner langen Reise jegliches Zeitgefühl verloren. Ich weiß nur das es nachts ist und ich auf einem Grabstein sitze.
Es ist sehr dunkel, doch das macht mir nichts aus, meine Magie erlaubt er mir, genaue Konturen meiner Umwelt wahr zu nehmen. Es strengt mich an, körperlich und geistig, ein Muskelspiel meiner so schwer greifbaren Fähigkeiten, ein ständiges Ziehen in meinem Schädel.
Eine kalte Brise weht die Grabreihen entlang, doch die physische Arbeit hat mich aufgeheizt.
Ich blicke auf meine dreckigen, schmerzenden Hände und betrachte das Konstrukt in meinen Fingern.
Der seltsame metallene Kasten hat eine Ähnlichkeit mit einem Kompass. Auf der Oberseite, zumindest scheint diese Bezeichnung für mich Sinnvoll, befindet sich ein Sammelsurium von Zahnrädern, jedes mit einem matten Edelstein in der Mitte, in einer seltsamen Ruhe, die langsam meinen Herzschlag etwas drosselt.
Das Instrument ist schwer für seine Größe, ich schüttle es vorsichtig und ein leichtes Scheppern ist zu hören.
Dies soll mich also meinem Ziel ein Schritt näher bringen.
Ich öffne meinen Rucksack und lege den Kasten behutsam zu den anderen Teilen des Gerätes.
Nun fehlt mir nur noch ein Katalysator, eine Energiequelle.
Müde hebe ich das Haupt und blicke in das ausgehobene Grab.
Der freigelegte Knochenschädel grinst mir fröhlich zu, er hat nur eine geringe Ähnlichkeit mit den Freund meines Großvaters, dieses seltsamen Kauzes, der selten gelächelt hat.
Wahrscheinlich würde er sogar über diese Situation lachen, er hatte einen seltsamen Humor.
Wie ein Besessener war der alte Mann den selben Pfad entlang geschritten, auf dem ich mich nun befinde, doch der Narr war auf halben Weg gestorben.
Ich überlege kurz das Grab wieder zuzuschaufeln, doch beschließe, dass es die Mühe nicht wert ist.
Ihm wird es recht egal sein und der Totengräber wird es als einen Akt des Vandalismus ad acta legen.
Es ist unwahrscheinlich, dass jemand das Ziel, das ich verfolge, erkennt.
Ist es rechtens?
Ich weiß es nicht.
Doch für Umkehr ist es längst zu spät.
Ausgelaugt hieve ich den schweren Rucksack auf meine Schultern und gehe in die Nacht hinaus.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Auch Tote frieren (Winterprosa Teil IV) - (elmo)

Von vor ein paar Nächten, aus der Winterprosa-Reihe, die Nummer IV. Sozusagen nächtlicher Gedankenfluss.

Auch Tote frieren


Du gehst durch die Kälte und spürst nichts außer dem Brennen. Dein Gesicht brennt und du merkst, wie sich deine Augen immer weiter in ihre Höhlen zurückziehen, weil sie Angst haben, dass Tränen an ihrem weichen weißen Fleisch festfrieren und sie beschädigen. Aber das ist in Ordnung so, du siehst sowieso kaum etwas, vor fünf Minuten hast du versucht in deine Hände zu pusten, die du dabei wie einen Schneepflug vor deinem Gesicht aufgespannt hattest, deine Brille ist beschlagen und jetzt noch nicht frei. Du vermutest, dass die warme Feuchtigkeit deiner nicht CO2-neutralen Ausatemluft an deinen Glasscheiben festgefroren ist. Zeitlos stapfst du stumpfsinnig und halbblind vor dich durch die anbrechende Nacht. Die Straßen sind leer und es ist halb 12. Bald haben wieder neue Menschen Geburtstag. Kinder in Indien hungern, aber frieren nicht. Du frierst. Sehr. Morgen hat auch jemand anderes Geburtstag, jemand dem du glaubst. Er hat aufgehört zu trainieren, baut ab und wird alt, aber nicht weich. Er braucht das vielleicht einfach nicht mehr. Er sagte, er habe das schlagende Herz einer Schlange gegessen und man habe ihm Potenz versprochen, einer suizidalen Schlange, fast so als ob sie ohne Kampfgeist schlapp nur noch durch das Joy Division-Tattoo von den anderen gefangenen, sich windenden Kreaturen unterscheidet. Das war gut. Aber jetzt ist noch kalt, arschkalt. Es brennt im Gesicht und beginnt an den Oberschenkeln zu beißen. Taube Haut. Nadelspitzen stumpf und spitz treffen sich aus verschiedenen Richtungen direkt in deinen Hautschichten, reizen deine Nervenendigungen auf Äußerste. Wieder in deinen Gedanken Kinder in Indien, die nicht frieren und doch einfach Ratten essen können. Man wirft sie einfach kurz ins Feuer und, wenn das Fell verkohlt ist, fischt man sie raus, knabbert an ihren Beinen und verspeist ihren Schwanz. Nach einer weiteren Runde Feuer kann man ihre Leber verzehren. Obwohl Ratten ja eigentlich nichts dafür können. Nicht einmal stärksten Halluzinationen ausgesetzt, die wellenartig kamen und wackelnde Wände pulsieren lassen konnten, auf dass du dich mächtig fühltest, konnten Ratten richtig Bridge spielen, egal wie sehr sie sich angestrengt haben, und ihre Hände, egal wie geschickt im planlosen Umgang mit den Karten, können einfach keine Whisky-Gläser stemmen.
Du siehst wieder. Du stehst vor deiner Haustür. Der Schlüssel dreht sich im Schloss. Du betrittst das Haus und das Licht geht an. Hemingway kannte keine Bewegungsmelder, aber sicher kannte er Kälte. Kälte so unbarmherzig, dass dein Körper desertiert. Müde siehst du auf die Treppen vor dir und blickst von dort auf deine Hand. Schwer zitternd hat sie im Dunkeln das Schlüsselloch gefunden und jetzt im Licht, aber noch in der Kälte, siehst du blau-lila marmorierte Finger, die allem Leben entsagt zu haben scheinen. Sie schauen aus den abgeschnittenen Handschuhen heraus, die du trägst, weil du mit ihnen noch Seiten umblättern könntest, und, die selbst frisch erworben nicht schön gewesen sind. Neben dem Schlüssel hast du einen Zettel mit Notizen aus deiner Hosentasche gezogen ohne es zu merken, du spürst ihn nicht. Du bewältigst die rutschigen, nassen Treppenstufen mühevoll und auf dem Abtreter versuchst du all den Schneematsch zu hinterlassen, der dir das Profil aufgefüllt und  verhüllt hat. In der Wohnung musst du das Licht noch selbst anmachen und nachdem der Schalter klickt, siehst du graue Wände in graudreckigen Teppich übergehen. Aber es ist wenigstens physikalisch messbare Wärme anwesend. Du ziehst die Jacke aus, die Schuhe. Als du den Schal abstreifst, reißt er an deiner Oberlippe, wo er mir ihr und Barthaaren und dem Schleim, der aus deiner hyperperfundierten Nasenschleimhaut quillt, in dem verzweifelten Versuch deine Einatemluft zu wärmen, festgefroren ist. Dann dieser Geruch, bekannt und doch nicht leicht einzuordnen, auf jeden Fall falsch an diesem Ort und vor allem zu dieser Zeit. Dann wird dir klar, dass es eingefrorene Überbleibsel sind, Relikten aus einer endenden Eiszeit nicht unähnlich, die dein limbisches System einfach falsch verknüpft bei der Wiedererweckung, aus den tiefen deines geistigen Kosmos hervorgebärt und sie kraftvoll und jung in deine Gehirnwindungen bohren. Deine kristalline Verwirrung begründet sich also im kreischenden und doch orchestralen Crescendo, das die immer weiter erwachenden Geruchsnerven in deinem Kopf erschaffen, und das doch kein Ziel und keinen Zweck hat. Jäh wird dir das alles mitten im Gesicht zerschlagen, als du das Bad betrittst und Essiggeruch dich auf den Boden der gedankenfreien Realität zurückholt. Wo vorher noch ein Phönix mystisch um deine Nasenscheidewand herum in deine Gehirnwindungen hinauf auferstanden ist, stürzt du nun  - Ikarus gleich - in das kalte harte Leben zurück, vor dem dich dein Geist vielleicht einfach nur schützen wollte. Du stehst in Dreck. Genauer gesagt in widerwärtigen Ablagerungen deines Lebens, die du nicht zu beseitigen im Stande bist. Staub und vereinzelt Haare kleben in einem ehemals weißen Waschbecken, dessen Abfluss gelbliche Ränder aufweist, mit denen du lieber nichts zu tun haben willst. Diese Einstellung wird sich nicht ändern und trotzdem hängt dein Gesicht direkt darüber und blickt herab, weil du Angst davor hast, was dir ein Blick in den mit Wasserspritzern verunreinigte Spiegel zeigen könnte. Wie tot würde dich der Blick zurück anstarren? Rechts neben dem Wasserhahn siehst du das Wasserglas, welches du vor ein paar Tagen vier Finger breit mit Essigessenz gefüllt hast um darin den verkalkten Perlator  zu reinigen. Ein müder Versuch endlich Ordnung zu schaffen, Raum zum wirklich Leben neu wiederzubeschaffen. Jetzt sind nur noch zwei Finger der stark riechenden Flüssigkeit im Glas, das nicht so aussieht, als ob man jemals wieder daraus trinken möchte. Eine Ecke des Metallrings schaut bereits über den Essigspiegel. Der Rest der Essenz liegt schwer in der Luft, verhindert allen anderen Geruch, ernüchtert und desillusioniert dich. Du legst deine Brille zusammengeklappt in den Dreck, in dem du auch Barthaare siehst. Kraftlos drückst du mit der einen Hand auf den Seifenspender und genauso kraftlos tropft geldblich weiße Flüssigseife cremig in deine andere Hand, halb geronnenem Eiter nicht unähnlich. Du zerreibst den Stoff mit unterschiedlichen Konsistenzen zwischen deinen Endgliedern der ersten drei Finger. Es sind getrocknete Teile dabei, die von der Öffnung des Spenders mitheruntergekommen sind, und denkst an Wundschorf. Das Wasser schießt in unkontrolliertem Strom über deine Hände, ist erst kalt, dann viel zu warm und schließlich fast angenehm. Du befindest deine Hände für sauber genug. Du legst die Handkanten aneinander und formst ein Trog-artiges Auffangbecken, in welches dein Gesicht mehr schlecht, als recht passt. Bevor du dein Gesicht in das darin gefangene Wasser stürzt, siehst du, dass das Wasser voller schwimmender Partikel ist, und fast wie Milch aussieht, dann begräbst du doch dein Gesicht darin und gaukelst dir selbst wieder vor zu leben. Du reibst es richtig tief in alle deine Poren und füllst damit die Löcher in dir.

Samstag, 11. Februar 2012

Forsaken - Vantage Points (Mart)

Forsaken
I am alone, a relict of old times, forgotten in the forest of the present.
My family died years ago, only cold concrete keeps company.
Alienated, I feel out of place.
My rotting limps click, waving a silent good-bye in the harsh winter breeze.
I stand here naked, stripped of my garment.
People passing by are laughing at me, pointing their fingers at this old fool, pinned to the ground, resilient against the ravages of time.
But even in my best gown, beautiful green during spring and summer, majestic red and yellow in fall, I do not fit in my surroundings.
My fellow neighbors have faded away, poisoned by the ghastly gases, disgorged by this diabolic engines, spitting their exhaust in our faces.
Slowly, the first shallow sunbeams are creeping up on my exposed body.
Another day of pain and loneliness. No escape from my tragedy.
The vast stony desert enveloping me is ever relentless, busy with itself, unaware of this old fellow.
Shrouded in my thoughts of the old times, when my family stood strong on this ground, I do not realize the vehicle moving in to me.
The white-orange devil creeps slowly and comes to a hold in front of me.
Busy workers descend the machine and I come to realize, that my final hour has arrived.
I feel relieved, my salvation seems near.
A last stroke of pain as they cut my strings to this cruel world, hungry teeth tearing my flesh.
With a loud sigh I finally fall, doomed to burn in blistering flames.

Dienstag, 31. Januar 2012

Cocaine Heartbeat - (elmo)

Noch ein kurzes Fragment aus dem alten Jahr:

Cocaine Heartbeat

Ich höre einen dumpfen Schlag, so laut das mein Kopf zu platzen droht, Risse bekommt und dann schlägt mir etwas ins Gesicht, der Geschmack von dampfenden Asphalt im Mund und ein Tropfen Blut läuft mir aus der Nase. Ich wische ihn mir mit dem Handrücken ab und sehe ihn kurz noch rot. Dann schaltet die Ampel auf Grün. Grün! Auf einmal macht alles Sinn. Grün! Wie eine bisher unbekannte Farbe, ganz so als ob mein bisheriges Leben ein Wirrwarr aus Gelb und Rot gewesen ist. Achtung und stehen bleiben. Vorfahrt gewährend lassen und der Mist. Aber die Farbe der Session ist Grün. Gas geben, los-leben. Einfach durchstarten und rücksichtslos nach vorn blicken. Ich fühle wie mich Macht durchströmt. Macht mehr aus mir. Lässt ein wildes Tier frei. Eine ungezähmte Kraft. Energie, endlose Energie durchströmt mich und mein langvergrabener animalischer Grundinstinkt beginnt mein Handeln zu diktieren.  Stehen bleiben wird zur Herausforderung und ist schließlich keine Option mehr. Ich muss hier raus. Alles viel zu klein für mich. Breche aus, heraus aus meiner Haut. Sieh mein Fell! Ich bin Kraft. Im Zick-Zack durch die Welt und alles ist mein Ziel, ich kann alles - gerade jetzt. Mir gehört jetzt alles. Diese meine Welt zieht an mir vorbei, ich fahre durch sie wie ein Blitz so schnell und alles am Rand verzieht sich und verzerrt bleibt es unerkannt und unbemerkt, verschwindet, fast so als ob in meinem Kopf mein Chiasma sagt, nein danke. Aber ich laufe weiter, rase durch mein Reich und keiner kann mich aufhalten. Und im Flug schaue ich an mir herab, mein ganzer Körper trieft Schweiß-gebadet meine Lebensessenz aus jeder Pore, wäscht mich rein und wäscht mich leer. 100% sind schon lang zu wenig, ich gebe alles. Mein Brustkorb hebt sich zeitlos und kalte, rauchige Luft strömt warm und feucht in meinen Körper, meine Nase taub aber in meinem Rachen schreit alles mit Feuer, gib mir mehr. Jetzt spür ich es kommen und meine Ohren versuchen sich aus Furcht zusammenzufalten und sich schützend über meine zitternden Gehörgänge zu legen und meine Hörschnecken versuchen davon zu laufen, aber sie sind einfach zu langsam. Da kommt es jetzt und voll bösartigster Verheißung sehe ich wie aus meinem Innersten, meiner eigenen Gott-losen Abyss die Schallwellen heranrollen und mich überrollen. Meine Trommelfelle reißen schreiend, kreischend schmerzhaft und Blut läuft mir aus den Ohren und noch bevor es auf meine Schultern tropfen kann, bersten Schneckenhäuser in meinem Kopf und die Splitter bohren sich durch mein Gehirn und auch die Risse werden größer. Aber noch bevor ich den Schmerz, den Schmerz, alles nur Schmerz, noch verarbeiten kann, spüre ich wie meine Gefäße krampfen und unter einer vor Furcht unkoordinierten Massenspastik ihren sinnlosen Versuch unternehmen die Druckwelle, die sich aus meiner berstenden Brust hinauf zu meinem Kopf durchschlägt, abzubremsen, abzuschwächen, ihr alle meine wohlgezüchteten Plaques als Steine in den Weg werfen damit sie stolpert, strauchelt und im tosenden Sturz sich selbst auslöscht. Ich  bleibe nicht verschont. Meine Karotiden so dick wie Fahrradschläuche, Autoreifen und letztendlich Traktorreifen platzen in meinen Kopf hinein, Blut schießt nun aus meiner Nase und ihrer neuen Schwachstelle, meine Augen werden tiefrot und gar kein Grün mehr vorhanden. Mein Mund schmeckt warmes Eisen, kochendes Eisen brodelt in meinem Mund. Zu viel Druck in meinem Kopf, vorgeschädigte Hirnhäute zerreißen und legen unter den blutigen Schatten davonfliegender und fliehender Knochensplitter und Haupthaarfetzen meine nutzlose gequirlte Hirnmasse, meine wüst servierte Mousse au cérébral frei. Schwer getroffen schlage ich am Boden auf, man nannte mich Ikarus, kann mich nicht mehr retten, bis mir jemand - mit mehr Kraft als ich je war - den Mund aufreißt und mir eine kleine blaue Pille hineinwirft, direkt ins Blut wirft und während ich sie noch schmecke, sie alle meine Bruchstücke wieder aufsammelt, sie zurücksortiert und ich feststellen muss, dass ich jetzt sicher weniger bin als die Summe meiner Einzelteile. Zeit kehrt langsam zurück. Langsam, langsam, grausam langsam. Nimmt mich in die Arme und ich kann nun Kind sein und weinen, schluchzen, Tränen strömen über nun ewig anmutende Abstände zu meinem alten Selbst. Ich bleibe farblos trauernd und suche nun bis zum Ende meiner Zeit nach dem wilden Tier, das nie wieder zurückkommt und mich kraftlos zurückgelassen hat. 10.12.11

Montag, 9. Januar 2012

Aufstehen ohne Honig - (elmo)

Ich hasse diese Morgen, an denen du aufstehst und unter die Dusche steigst. Davor hast du es noch geschafft dreckige Unterwäsche in die Waschmaschine zu stopfen, weil du sonst am nächsten Tag nichts Frisches mehr hast, und du fühlst dich heroisch und bist stolz auf dich. Dann kommst du aus der Dusche und alles fühlt sich scheiße an und du setzt die Brille lieber erst wieder auf, wenn kein Spiegel mehr da ist. Du willst die Bettdecke aufschütteln und im Akt merkst du, dass da noch eine rote Schüssel steht mit angetrockneten Resten von irgendwas, was du Essen genannt hast oder es zumindest versucht hast. Du stoppst aber es ist zu spät, sie zerbricht. Zum Glück auf dem kurzen Ende des Bettes in der Ecke da, wo noch der Fernseher steht, den du nie benützt, und du denkst, Da muss ich heute eh nicht mehr hin, das kann so liegen bleiben. In der Küche machst du dann dir zwei Vollkorntoast und entscheidest dich für die Feigenmarmelade aus Italien und die Bratapfelmarmelade, die du zu vorletztem Weihnachten bekommen hast, und du merkst, dass es draußen nur regnet, weder Sommer ist noch wirklich Winter und so nebeneinander schmeckt das irgendwie alles scheiße. Es passt einfach nicht. Du greifst nach der alten Wasserflasche und trinkst abgestandenes Wasser ohne dich zu fragen, zum wievielten Mal sie schon aufgefüllt worden ist und wie viel Verwesung du gerade in dich reinschüttest nur um dich ein bisschen frisch zu fühlen, am Leben zu fühlen. Du denkst, Fuck, Honig wäre besser gewesen.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Gefängnisbesuch - (elmo)


In Gedanken an unsere Exkursion "Besonderes Arbeitsumfeld"


Gefängnisbesuch
Ihr heute kommt und geht
Ein Arzt zwischen euch steht
Und ihr seht die hier so lang gebunden
Deren Frauen ohne sie entbunden
Deren Kinder ohne Väter
Weil nun eben diese Täter
Waren und auch bleiben
Ohne Zukunft treiben
Und sie fliehen mit denen
Ihren so freien Gedanken
Eure die rein Goldenen:
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