Samstag, 11. Februar 2012

Forsaken - Vantage Points (Mart)

Forsaken
I am alone, a relict of old times, forgotten in the forest of the present.
My family died years ago, only cold concrete keeps company.
Alienated, I feel out of place.
My rotting limps click, waving a silent good-bye in the harsh winter breeze.
I stand here naked, stripped of my garment.
People passing by are laughing at me, pointing their fingers at this old fool, pinned to the ground, resilient against the ravages of time.
But even in my best gown, beautiful green during spring and summer, majestic red and yellow in fall, I do not fit in my surroundings.
My fellow neighbors have faded away, poisoned by the ghastly gases, disgorged by this diabolic engines, spitting their exhaust in our faces.
Slowly, the first shallow sunbeams are creeping up on my exposed body.
Another day of pain and loneliness. No escape from my tragedy.
The vast stony desert enveloping me is ever relentless, busy with itself, unaware of this old fellow.
Shrouded in my thoughts of the old times, when my family stood strong on this ground, I do not realize the vehicle moving in to me.
The white-orange devil creeps slowly and comes to a hold in front of me.
Busy workers descend the machine and I come to realize, that my final hour has arrived.
I feel relieved, my salvation seems near.
A last stroke of pain as they cut my strings to this cruel world, hungry teeth tearing my flesh.
With a loud sigh I finally fall, doomed to burn in blistering flames.

Dienstag, 31. Januar 2012

Cocaine Heartbeat - (elmo)

Noch ein kurzes Fragment aus dem alten Jahr:

Cocaine Heartbeat

Ich höre einen dumpfen Schlag, so laut das mein Kopf zu platzen droht, Risse bekommt und dann schlägt mir etwas ins Gesicht, der Geschmack von dampfenden Asphalt im Mund und ein Tropfen Blut läuft mir aus der Nase. Ich wische ihn mir mit dem Handrücken ab und sehe ihn kurz noch rot. Dann schaltet die Ampel auf Grün. Grün! Auf einmal macht alles Sinn. Grün! Wie eine bisher unbekannte Farbe, ganz so als ob mein bisheriges Leben ein Wirrwarr aus Gelb und Rot gewesen ist. Achtung und stehen bleiben. Vorfahrt gewährend lassen und der Mist. Aber die Farbe der Session ist Grün. Gas geben, los-leben. Einfach durchstarten und rücksichtslos nach vorn blicken. Ich fühle wie mich Macht durchströmt. Macht mehr aus mir. Lässt ein wildes Tier frei. Eine ungezähmte Kraft. Energie, endlose Energie durchströmt mich und mein langvergrabener animalischer Grundinstinkt beginnt mein Handeln zu diktieren.  Stehen bleiben wird zur Herausforderung und ist schließlich keine Option mehr. Ich muss hier raus. Alles viel zu klein für mich. Breche aus, heraus aus meiner Haut. Sieh mein Fell! Ich bin Kraft. Im Zick-Zack durch die Welt und alles ist mein Ziel, ich kann alles - gerade jetzt. Mir gehört jetzt alles. Diese meine Welt zieht an mir vorbei, ich fahre durch sie wie ein Blitz so schnell und alles am Rand verzieht sich und verzerrt bleibt es unerkannt und unbemerkt, verschwindet, fast so als ob in meinem Kopf mein Chiasma sagt, nein danke. Aber ich laufe weiter, rase durch mein Reich und keiner kann mich aufhalten. Und im Flug schaue ich an mir herab, mein ganzer Körper trieft Schweiß-gebadet meine Lebensessenz aus jeder Pore, wäscht mich rein und wäscht mich leer. 100% sind schon lang zu wenig, ich gebe alles. Mein Brustkorb hebt sich zeitlos und kalte, rauchige Luft strömt warm und feucht in meinen Körper, meine Nase taub aber in meinem Rachen schreit alles mit Feuer, gib mir mehr. Jetzt spür ich es kommen und meine Ohren versuchen sich aus Furcht zusammenzufalten und sich schützend über meine zitternden Gehörgänge zu legen und meine Hörschnecken versuchen davon zu laufen, aber sie sind einfach zu langsam. Da kommt es jetzt und voll bösartigster Verheißung sehe ich wie aus meinem Innersten, meiner eigenen Gott-losen Abyss die Schallwellen heranrollen und mich überrollen. Meine Trommelfelle reißen schreiend, kreischend schmerzhaft und Blut läuft mir aus den Ohren und noch bevor es auf meine Schultern tropfen kann, bersten Schneckenhäuser in meinem Kopf und die Splitter bohren sich durch mein Gehirn und auch die Risse werden größer. Aber noch bevor ich den Schmerz, den Schmerz, alles nur Schmerz, noch verarbeiten kann, spüre ich wie meine Gefäße krampfen und unter einer vor Furcht unkoordinierten Massenspastik ihren sinnlosen Versuch unternehmen die Druckwelle, die sich aus meiner berstenden Brust hinauf zu meinem Kopf durchschlägt, abzubremsen, abzuschwächen, ihr alle meine wohlgezüchteten Plaques als Steine in den Weg werfen damit sie stolpert, strauchelt und im tosenden Sturz sich selbst auslöscht. Ich  bleibe nicht verschont. Meine Karotiden so dick wie Fahrradschläuche, Autoreifen und letztendlich Traktorreifen platzen in meinen Kopf hinein, Blut schießt nun aus meiner Nase und ihrer neuen Schwachstelle, meine Augen werden tiefrot und gar kein Grün mehr vorhanden. Mein Mund schmeckt warmes Eisen, kochendes Eisen brodelt in meinem Mund. Zu viel Druck in meinem Kopf, vorgeschädigte Hirnhäute zerreißen und legen unter den blutigen Schatten davonfliegender und fliehender Knochensplitter und Haupthaarfetzen meine nutzlose gequirlte Hirnmasse, meine wüst servierte Mousse au cérébral frei. Schwer getroffen schlage ich am Boden auf, man nannte mich Ikarus, kann mich nicht mehr retten, bis mir jemand - mit mehr Kraft als ich je war - den Mund aufreißt und mir eine kleine blaue Pille hineinwirft, direkt ins Blut wirft und während ich sie noch schmecke, sie alle meine Bruchstücke wieder aufsammelt, sie zurücksortiert und ich feststellen muss, dass ich jetzt sicher weniger bin als die Summe meiner Einzelteile. Zeit kehrt langsam zurück. Langsam, langsam, grausam langsam. Nimmt mich in die Arme und ich kann nun Kind sein und weinen, schluchzen, Tränen strömen über nun ewig anmutende Abstände zu meinem alten Selbst. Ich bleibe farblos trauernd und suche nun bis zum Ende meiner Zeit nach dem wilden Tier, das nie wieder zurückkommt und mich kraftlos zurückgelassen hat. 10.12.11

Montag, 9. Januar 2012

Aufstehen ohne Honig - (elmo)

Ich hasse diese Morgen, an denen du aufstehst und unter die Dusche steigst. Davor hast du es noch geschafft dreckige Unterwäsche in die Waschmaschine zu stopfen, weil du sonst am nächsten Tag nichts Frisches mehr hast, und du fühlst dich heroisch und bist stolz auf dich. Dann kommst du aus der Dusche und alles fühlt sich scheiße an und du setzt die Brille lieber erst wieder auf, wenn kein Spiegel mehr da ist. Du willst die Bettdecke aufschütteln und im Akt merkst du, dass da noch eine rote Schüssel steht mit angetrockneten Resten von irgendwas, was du Essen genannt hast oder es zumindest versucht hast. Du stoppst aber es ist zu spät, sie zerbricht. Zum Glück auf dem kurzen Ende des Bettes in der Ecke da, wo noch der Fernseher steht, den du nie benützt, und du denkst, Da muss ich heute eh nicht mehr hin, das kann so liegen bleiben. In der Küche machst du dann dir zwei Vollkorntoast und entscheidest dich für die Feigenmarmelade aus Italien und die Bratapfelmarmelade, die du zu vorletztem Weihnachten bekommen hast, und du merkst, dass es draußen nur regnet, weder Sommer ist noch wirklich Winter und so nebeneinander schmeckt das irgendwie alles scheiße. Es passt einfach nicht. Du greifst nach der alten Wasserflasche und trinkst abgestandenes Wasser ohne dich zu fragen, zum wievielten Mal sie schon aufgefüllt worden ist und wie viel Verwesung du gerade in dich reinschüttest nur um dich ein bisschen frisch zu fühlen, am Leben zu fühlen. Du denkst, Fuck, Honig wäre besser gewesen.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Gefängnisbesuch - (elmo)


In Gedanken an unsere Exkursion "Besonderes Arbeitsumfeld"


Gefängnisbesuch
Ihr heute kommt und geht
Ein Arzt zwischen euch steht
Und ihr seht die hier so lang gebunden
Deren Frauen ohne sie entbunden
Deren Kinder ohne Väter
Weil nun eben diese Täter
Waren und auch bleiben
Ohne Zukunft treiben
Und sie fliehen mit denen
Ihren so freien Gedanken
Eure die rein Goldenen:
Zuletzt Hauptsache bedanken

Mittwoch, 23. November 2011

Discrete Ocean - Vantage Points (Martin)

Swimming on solid ground, I feel lost.
It is not my right place, I do not fit.
All alone, I am surrounded by fellow scatters, drifting in a sea of uncertainty.
Dressed in blue as the others, only a thin brown line distinguishes me from my company. A scar, barely visible to the eye, my only trademark.
I toss and turn, but everything seems to look the same. I cannot get a hold on the others.
They stand side by side, some in blue, some more colorful, drawing figures to mock me.
My distress grows, I am waiting silently, resting for hours in the same spot.
Suddenly, shadow falls over me.
A gentle touch, I am being picked up from my misery.
From above, I can see many like myself, lying alone on the cold wood, far from home.
But my heart jumps, as I am getting closer to the cluster, to the others, hugging themselves in joy, a happy assembly.
I reach out and I am able to grab on.
A warm welcome, embraced in blue.
Look! I see another with almost the same scar as mine!
The brown lines connect, this is my place.
I finally fit!
And now I am beginning to see the whole picture.

The Chronicle of Hektor - Teil I

Das Schallen des Weckers riss ihn aus seinem unruhigen Schlaf. Es dröhnte in seinem Kopf als hätte er nur wenige Stunden geschlafen. Gequält lies er seine Hand auf den Wecker sinken und schälte sich aus seinem Bett. Wie in Trance schlappte er zum Bad und verrichtete sein Morgenritual. Als er die Küche betrat, stand er in einem unerleuchteten leicht kühlen Raum. Stumm drehte er sich um und stieg die Treppe zu dem Schlafzimmer seiner Eltern herauf. Als er die Tür öffnete und den Lichtschalter betätigte sah er sie. Still lagen sie da. Feine Blutrinnsale rannen ihnen aus Augen, Ohren und Mund. Mit ruhiger Hand löschte er das Licht und schloss die Tür. In seinem Zimmer griff er unters Bett und holte seinen Rucksack hervor. Alles war fertig für diesen Tag gepackt. Als er zur Haustüre ging sah er die Zimmertüre seines Bruders. Einen Moment wollte er weiter gehen. Besann sich jedoch kurz und öffnete sie. Es bot sich ihm das gleiche Bild wie davor. Leise schloss er die Tür. Was hatte er sich erwartet? Er schwang sich den Rucksack auf die Schultern und trat aus dem Haus in das Licht der aufgehenden Sonne.

Donnerstag, 17. November 2011

High Noon mit roten Augen in Grau - (elmo)

High Noon mit roten Augen in Grau

Hier ist ein Mann, er ist dünn und schwach. Keine Kraft mehr in dem Körper, der in nicht mehr als ein zerschlissenes Hemd und eine schmutzige Hose gehüllt ist. Unmöglich zu sagen, welche Farben die Klamotten einst hatten. Alles verblasst, so wie seine Lebenskraft. Hier ist ein Mann, der schon langer Zeit begonnen hat zu sterben. Hier ist ein Mann, der gar nicht mehr richtig hier ist.
Er sitzt auf dem Boden einer windstillen, staubigen Straße, die noch in Jahrzenten keinen Asphalt gesehen haben wird. Er sitzt an ihrem Rand und lehnt sich an einen kaputten Holzzaun. Neben ihm Scherben einer zerbrochenen Flasche, deren Hals er immer noch fest in seiner linken Hand hält. In seiner Rechten hält er nichts. Das ist sein Dasein.
Um ihn herum sind locker gesetzt Häuser, aufgebaut aus dem nichts und dahin werden sie auch verschwinden. So wie alles in dieser kleinen Stadt, falls das nicht sowieso ein zu großes Wort für das hier ist. Alles was bleiben wird ist die Straße. Die Straße auf der in korrekten zeitlichen Proportionen Männer ihr Leben ganz ohne Würde in ehrenhaften Duellen verlieren. High Noon und meistens Bauchschüsse. Qualvolle Tode. Gelegentlich schaffen sie es noch sich bis an den Rand zu ziehen, nur um dann da zu krepieren. Da liegen sie dann bis sie so sehr stinken, dass sie irgendjemand entfernt.
Alles vor den Augen unseres Mannes, der gar nicht hinsieht. Die Augen starr auf die Geschehnisse gerichtet ohne auch nur irgendetwas zu sehen. Er sitzt dort am Boden wie ein Mahnmal für alles, was dort geschehen ist und noch kommen wird. All der Schmerz und die wenige Freude. Zeitlos sitzt er wie ein steinerner Wächter und wartet auf seine Ablösung. Die Augen voll Sand, rot und trocken. Willenlos wie der Fotoapparat etwa 150m von ihm entfernt. Der Fotoapparat des Bürgermeisters, der darauf so stolz ist. Bald wird er sterben er und man merkt es erst drei Tage später, als er nicht zur Messe erscheint. Als man sein Haus nach der Beerdigung durchsucht, findet man einen Grabstein mit seinem Namen drauf, aber stellt ihn nicht auf. Wenn man wüsste, wo man suchen müsste, würde man noch lange den Stein unter viel Sand finden können. Wie ein Grundstein trägt er ein Stück Geschichte in die Zukunft, nur dass nie jemand unter ihm lag und ihn so seiner Bedeutung beraubt.
Dafür gibt es etwas in dieser Stadt, worunter schon viele lagen. Sie ist die einzige Prostituierte in dieser Stadt und war nicht mal in ihrer Jugend schön. Das einzige was verhinderte, dass sie fettleibig und völlig unförmig wurde, war der andauernde Essensmangel. Bald beginnt sie ihre Freier immer ein wenig zu beklauen, gerade genug zusammenzubekommen um wegzureißen und nie wieder zu kommen. Ihr großer Traum. Als ein Stammkunde das bemerkt erschießt er sie mit einem Revolver.
Einen Revolver findet auch unser entseelter Mann plötzlich neben seiner rechten Hand im Sand liegen. Langsam, als sei er sich nicht sicher ob der Revolver echt wäre, greift er nach ihm, die rotgrauen Augen bewegen sich, scheinen weniger grau und betrachten lang das Fundstück. Er scheint alt und nicht geölt, das Holz am Griff hat Sprünge und die Holzstückchen sprießen spröde hervor. Aus der Kirche hört man die Glocke zwölfmal spröde klingen. Er richtet sich langsam auf, in dem er sich an dem Zaun hochzieht. Lässt seinen Flaschenhals zurück und geht ganz vorsichtig in die Mitte der Straße. Dort hält er sich die Waffe an den Kopf und drückt hab. Nichts passiert. Langsam schaut er sich um, niemand hat ihn bemerkt. Er lässt die Waffe in der Mitte der Straße in den staubigen Sand fallen und geht schwach zurück zu seinem Zaun. Dort lässt er sich wieder nieder neben seinem Flaschenhals und die Augen richten sich wieder stumpf gerade aus. Sie scheinen nun noch etwas grauer und leerer als zuvor.