Samstag, 25. Juni 2011

Kurzes Leben und anderes (elmo)

Heute möchte ich neben einem kleinen Gedicht, welches ich vor ein paar Jahren geschrieben habe, auch einen Dank an meinen Vater hier loswerden, denn die zwei schönen Bilder, die diesen Blog begleiten, hat er gemalt. Nicht extra dafür aber dennoch wunderbar. Das bunte Bild, welches http://gloria-defectus.de/ schmückt, hängt sogar bei mir im Zimmer.









 Kurzes Leben

Aus Knospen wachsen Arm und Bein
das wird doch wohl kein Menschlein sein?
Monat für Monat wächst es dahin
und endlich erklingt auch seine Stimm'!
Viel Freude bringt es Frau und Mann,
fängt es doch bald das Schreien an.
Doch tut es dies einmal nicht,
steigt jedem Sorge ins Gesicht.
Was ist denn los, ist er schon tot?
Warum ist er blau, warum so rot?
Die Frauen schrei'n, Männer schweigen,
Engel tanzen Todesreigen.
Dann ist Ruhe und dann ist Schluss,
Menschen sterben auch ohne Schuss.
Bitt're Tränen fließen, Weinen
und And're stehen nur - Schweigen.
Wo ist all die Freude nun?
Was kann man dagegen tun?
Verdrängen, trinken und verstummen,
nicht d'rüber reden tun die Dummen.
Ein Leben so kurz und schon vorbei,
Doch niemandem ist dies einerlei.
Und das zu recht, wenn man mich fragt,
hier hätte nichtmal ich gewagt,
nur Lachen, Grinsen, Dummes machen
und all die sonstig lust'gen Sachen.
Denn Anstand wird heut' groß geschreiben
für alle, die zurückgeblieben.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Asche des Lebens (Prolog) - (Martin)

Hier noch ein Prolog, diesmal zu einer Buchidee, die ich weiterführen werde, sobald ich Zeit/Lust habe.


Asche des Lebens


Langsam rieselte der Staub durch seine Finger, der vor wenigen Sekunden noch Bestandteil eines menschlichen Wesens gewesen ist.
Der Wind wehte sanft gegen das Gebilde, ein aus Asche bestehender Schneemann, der langsam ins wanken geriet.

Immernoch schwer atmend starrte er mit weit offenen Augen auf die traurige Gestalt, gemächlich brach der Staub insich zusammen, ein weiteres Menschenleben war ausgelöscht worden.
Mit Schweiß auf der Stirn und brennendem Gesicht wankte er ein paar Schritte zurück, er würde sich wohl niemals an diesen Moment gewöhnen können.
Schließlich stieß er an kalten Stein, die Hauswand bildete eine willkommene Stütze. Sein Herz raste, pumpte das fremde Blut durch seine Venen, ein Kribbeln, das Leben selbst, das durch seinen Körper floss.
Seine Hände zuckten leicht, er vermochte sie noch nicht zu bewegen und so hingen sie verkrampft in der Luft in einer groteskten Geste, der Versuch etwas zu greifen, an etwas festzuhalten, etwas zu klammern, was einem durch die Finger ronn.
Und dann kam der Schmerz. Mit pochenden Hammerschlägen wurden Bilder durch seinen Kopf gejagt, Erinnerungen, die nun in Pein aufblitzten.
Eine Frau, seine Frau, klein und zierlich, Terese war ihr Name, das rote Haar zu einem Zopf geflechtet, in schicken Kleidern.
Ein kleiner Mensch gesellte sich hinzu, sein Sohn, Ruprecht, vor kurzem erst dreizehn geworden, ein quirligen Kerl, bereits größer als seine Mutter, mit denselben kurzgeschnitten schwarzen Haaren wie sein Vater, die Hosen und das Hemd waren schmutzig und zerknittert, der Tribut, den die Übermut forderte.
Tonlos schreiend hielt er sich die Hände an die Schläfen, rießige Nadeln schienen sich durch seine Kopfhaut zu bohren, kaum eine Folter war schlimmer.
Ein großes Haus blitzte vor seinen Augen auf, hübsch gebaut, hellgelb angestrichen, mit einem kleinen Garten, den seine Frau pflegte. Es war sein Besitz, nur wenige Straßen entfernd, er hatte es Nachmittags verlassen und sich mit der Person getroffen, nur mehr ein Häufchen Asche erinnerte daran.
Doch den größten Schmerz verursachte die wichtigste Erinnerung, sein Selbst, wie es durch seine Adern raste, auf seiner Netzhaut brannte und durch die Glieder fuhr. Fast vergessen stieß es mit einem Schrei an die Oberfläche, einem Gefühl gleich, als würde es die Rippen seiner Brust auseinander reißen und den Kopf in die Freiheit stecken.
Er sank auf die Knie, Tränen sammelten sich in seinen Augen. Santos Hammerschmied. Dies war sein Name, grell flackerte er in seinem Blick auf, seit sechsunddreißig langen Jahren hatte er diesen Namen getragen, doch an diesem Tag war er neu geboren worden.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht erhob sich Santos langsam, irritiert blickte er auf den Staubhaufen vor sich, kein Kleidungsstück, kein Schmuck war von seinem Opfer übriggeblieben, nur die flockige graue Masse, die zäh auf dem Steinboden kroch.
Santos wandte sich ab und ging nach Hause.

Montag, 13. Juni 2011

Nadelstiche in schwarzem Stoff (elmo)

Hier von mir ein recht neuer Text, über die dringede Notwendigkeit eines Auditoriums, und darüber, was man bereit ist für diese Aufmerksamkeit zu tun.

Nadelstiche in schwarzem Stoff

Wenn Sterne am Nachthimmel wie Nadelstiche durch einen schwarzen Stoff betrachtet werden, dann ist unsere Sonne nur ein Loch in diesem Stoff. Und alles passt durch dieses zunächst so winzig scheinende Loch, denn je näher man ihm kommt, desto größer wird es.
Durch dieses Loch strahlt ein in den Augen brennendes, grelles, heißes Licht. Eine Verheißung von Veränderung, hervorgerufen durch den Blick hinter die Kulisse unserer Welt. Hinter den schweren und dichten Theatervorhang  aus unbewegtem Stoff. Doch im Gegensatz zum Theater nebenan wird dieser Vorhang nie zurückgezogen, egal wie lang wir in unseren Stühlen sitzen.
Vielleicht kommt es aber - wie so oft - nur auf die Perspektive an, vielleicht sind wir schon auf der Bühne, der Bühne unseres Lebens, und auf der anderen Seite sitzt jemand in einem gemütlichen rotgepolsterten Stuhl, trinkt eine Cola und schaut uns zu, gelangweilt von den ewig gleichen Eskapaden, die wir uns Tag für Tag leisten. Vielleicht schaut er schon gar nicht mehr hin, ist aufgestanden und aufs Klo gegangen oder kauft sich gerade Popcorn. Vielleicht merken wir ja, wann er hinschaut und wann nicht. Und das ist es, was wir als Tag und Nacht wahrnehmen. Sein schwenkender Blick, die wandernde Aufmerksamkeit, rhythmisch auf unser Dasein hinab.
Was passiert, wenn er nicht hinsieht, ist es dann egal, was wir tun? Endet unsere Rolle oder haben wir nur Pause? Haben wir einen Freibrief? Und was passiert, wenn er nie wieder hinschaut? Wir ewig Nacht haben? Unsere Wärmequelle würde Hand in Hand damit versiegen und in der ewigen Nacht käme Kälte. Wir bleiben dann zurück und wissen nichts mehr mit uns anzufangen.
Einige werden sich sicher an der Erinnerung wärmen und dann am Rande des großen Vergessens zusammengekauert erfrieren. Einsam, selbst wenn an einander gekuschelt, für immer Nähe suchend, Aufmerksamkeit. Und es gibt andere, jene die nach vorne schauen werden.
Zu diesen gehöre ich, wir werden uns aufmachen ins Unbekannte. Wir werden uns an dem Vorhang entlang ziehen, nach oben hangeln oder abseilen. Einen Weg darum herum suchen, oder versuchen, mittenhindurch zu dringen. Hindurch durch die Fasern der Trennwand. Schicht um Schicht, Strick um Strick, Faden um Faden, Faser um Faser und notfalls auch Molekül um Molekül. Ewig tiefer bohrend kleiner werden und immer in der Gefahr sein, an dieser unserer eigenen grundlegenden Grenze zu Grunde zu gehen.
Doch ich werde einen anderen Weg suchen. Ich werde mich aufmachen zu jenen fernen Nadelstichen. Immer weiter in die Unendlichkeit. Und wenn ich auch dort auf ein Ende stoße, dann werde ich mich in der Nähe dieses Löchleins niederlassen, nur dass es dann schon ein Loch sein wird für mich, so unermesslich groß wie unser altes. Dort werde ich warten bis die Aufmerksamkeit mich streift und in diesem kurzen Moment, einem Bruchteil eines Lichtblitzes, werde ich tanzen, aber nicht für mich, auf dass es wieder Tag wird - für mich.
 Überraschend zahm, ich weiß. Aber es ist eben ein vorsichtiges Geständnis.

Stilles Wasser (WuRscHtBr0T)

Hier eines meiner alten Gedichte:

Stilles Wasser

Ich ruhe –
Gefangen im Schlund der Natur
Und warte auf die Begegnung.
Ich werde getragen von irdischer Kraft,
Mein Wesen erfrischt die Bewegung.

Ich suche -
Im finsteren Walde den Weg,
Den einst ich empor gekommen.
Der stinkende Boden legt Hürden dahin,
Die Kraft meinem Atem entnommen.

Ich stürze -
Dem Fall überlassen im höchsten Moment,
Mit wütendem Brechen und Tosen.
Ein winziger Lufthauch weht mich dahin
Und führt mich zu welkenden Rosen.

Ich zürne -
Die Welt schnürt die Kehle mir zu.
Sie kennt weder Recht noch Erbarmen.
Ein bebender Schrei, ein letzter Versuch -
Erstickt. Vergessen. Begraben.

Ich ruhe -
Gefangen im Schlund der Natur
Und warte auf die Begegnung.
Ich werde getragen von irdischer Kraft,
Mein Wesen schläft still ohne Regung.

Freitag, 10. Juni 2011

To Hektor (The_Chornicle_of_Hektor)

Dieses Gedicht hab ich gestern aus einer spontanen Laune geschrieben und ist gleichzeitig mein bestreben mich mit diesem Eingangswerk hier vorzustellen:

We build it
to gild it

We build it
to tilt it

We build it to burn it to the ground!

Donnerstag, 9. Juni 2011

Morgenrot (Prolog) (Martin)

Hallo,
hier nun der Anfang einer Kurzgeschichte, bei der ich im Moment in der Hälfte stecken geblieben bin. Wer daraus erraten kann, worum es geht, bekommt eine Packung Kekse ;)


Morgenrot (Prolog)


Eine staubige Straße, einsam im Nirgendwo, die Autos passieren schnell und ohne zu Fragen, wer anhält, ist schon verloren. Düster kriecht das letzte Sonnenlicht in sein finsteres Versteck, um der strahlenden Elektrizität der Straßenlampen und Leuchtreklamen Platz zu machen. Die Häuserblocks stehen dicht an dicht und tuscheln leise, tauschen den neuesten Tratsch aus. Einsame Seelen geistern durch die Straße, auf immerwährender Suche nach Sinn. Geräusche hört man wenig, das Vakuum aus Elend und Gleichgültigkeit scheint sie aufzusaugen. Die Fenster sind nicht verrammelt und doch laden sie nicht zum Weilen ein. „Geschlossen“ Schilder zieren die Eingangstüren der wenigen Geschäfte, Gewinn liegt nicht auf der Straße. Eine Maus huscht von Schatten zu Schatten, kaum sichtbar, stets im verborgenen. Sie nennt die Straße ihre Heimat, doch heimisch fühlt sich hier keine Seele. Der Abfall, selten genießbar, bildet eine doch magere Nahrungsgrundlage. Aufgeregt hebt die Maus ihre stoppelige Nase, als sie Schritte durch die Straße huschen hört. Kein Schleichen, kein Schlendern oder Schlürfen, ein fester, sicherer Tritt trudelt, nicht hastig und doch treibend, das Halblicht endlang. Erschrocken weicht sie den sauberen, schwarzen Schuhen, die so achtlos nach ihrem Leben trachten. Fasst so unscheinbar wie die Maus wandert der Mann von Lichtkegel zu Lichtkegel, seinen verborgenen Blick stets nach vorn gerichtet. Die Maus blickt ihm verwirrt nach, sein schwarzer Anzug lässt ihn fasst mit der Nacht verschmelzen und doch geht eine bedrohliche Präsenz von ihm aus. Abermals schnuppert der kleine Nager, hingerissen zwischen Angst und Neugierde, gestört von dieser merkwürdigen Gestalt. Instinkt weist ihm den rechten Weg, das Tierchen huscht unbeirrt seines Weges, möglichen unangenehmen Geschichten aus dem Weg gehend. Der Mann jedoch bleibt stehen, ein Gebäude betrachtend, das der selben Verfassung wie die restliche Straße ist. Fahles Licht dringt auf die Straße hinaus, dumpfe Geräusche wie gefiltert, unausgesprochene Warnung dem Fremden gegenüber. Schwach blinkt die Neonanzeige, die verdreckte Glasscheibe erlaubt einen verschwommenen Blick ins Innere. Gekritzel an der Türe verweist auf eine „Happy Hour“, doch ob man hier eine glückliche Stunde erleben kann, bleibt im Zweifel. Bereits zwölf Sekunden verweilt der Mann vor dem „Eden“, ehe er in der dreizehnten seine Hand ausstreckt und das Tor zu einer anderen Welt öffnet.




Martin

Relaunch - Update (elmo)

So lang ist's her. Diese Blogsache ist nicht wirklich genau das richtige für mich aber ich habe beschlossen das noch einmal zu versuchen.
Die Sache mit dem Literaturupdate hat auch nicht geklappt, was aber auch an dem nie eingeschickten Video liegen könnte. Die Geschichte ist natürlich immer noch überragend und wird bei Zeiten auch noch hochgeladen.
Ich hab eine ganze Weile nichts mehr geschrieben, aber das hat sich nun geändert. Ich möchte wieder mehr Energie auf das ganze hier verwenden und habe sogar für harte Zeiten die Dave-Methode der Einstürzenden Neubauten das Erstellen eines literarischen Rahmens umgebastelt. (Und es funktioniert ... ich sag nur nicht genau wann ichs verwende.)

Außerdem werde ich jetzt hier von dem einen oder anderen alten Freund als Co-Autor unterstützt, da die selbst einiges schon geschrieben haben (und das nicht von minderer Qualität).

Als neue Eröffnung habe ich etwas altes und etwas neues dabei, zwei Gedichte. Das Alte für genau einen bestimmten ist ein Haiku und das Neue für beliebige zwei wurde als post-modern beschrieben. Letzteres hat auch schon seine Uraufführung mit The_Chornicle_of_Hektor auf dem Stustaculum 2011 hinter sich und war im engsten Kreise durchaus erfolgreich.


Kommandant Dada – Gedicht für zwei

Kommandant  - dada
Schießt auf ein Kind - jaha
Kind fällt um  - hurra
Doch falsches Kind - nana

Kommandant - jaha
Reagiert - hurra
„holt alle Kinder“ - oha
„bindet sie nieder“ - ohaa

Kommandant - jaja
Ist völlig verrückt - ohja
Mit Waffen bestückt - uha
Kein Weg zurück - baba
(4.6.2011)




Für Korbi


Kleines Kind, geh in Deckung
tust du‘s einmal nicht
und man schießt dir ins Gesicht.
(22.1.2008)

Und Überraschung ... sie ähneln sich thematisch doch sehr.
Also freut euch auf mehr ... oder auch nicht.